ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE

Schrifttum | Projekt-I/2018

Dissertation

»ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE«
Dissertationen zum Bau der Reichsautobahnen

Vorbemerkungen

Der Diskurs um die technischen und landschaftsästhetischen Aspekte der Autobahnen spielte sich in den Straßenbau-Fachzeitschriften und insbesondere im Organ „DIE STRASSE“ des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen ab. Zwischen 1933 und 1941 wandten sich aber auch andere Fachbereiche den Fragen des Reichsautobahnbaus zu. Die angefertigten Dissertationen befassten sich mit verwaltungsjuristischen und verkehrswirtschaftlichen Problemen.

Es verwundert, dass die seit den 1980er Jahren betriebene deutsche Autobahnforschung diese Studien überhaupt nicht zur Kenntnis genommen hat, obwohl diese das Autobahngeschehen im Dritten Reich begleiteten und insoweit die zeitgenössischen Ansichten widerspiegeln. Auch wenn die Arbeiten teilweise unreflektiert den Wortlaut der Reichspropaganda übernommen haben und möglicherweise schon damals kaum rezipiert worden sind, so scheint es doch angezeigt, diese Schriften vorzustellen und einer kritischen Würdigung zu unterziehen, um Einsichten in die Denkkategorien angehender Akademiker in Zeiten der NS-Diktatur zu gewinnen.

Dazu hat das ARCHIV FÜR AUTOBAHN- UND STRASSENGESCHICHTE das Projekt I/2018 installiert. Die akademischen Untersuchungen zum Reichsautobahnbau werden zwei Hauptgruppen zugeordnet:

  1. Volkswirtschaftliche bzw. staatswissenschaftliche Arbeiten
  2. Juristische Arbeiten

In beiden Gruppen werden die Schriften in chronologischer Reihenfolge jeweils mit Buchumschlag oder Frontseite, Inhaltsverzeichnis und einem erläuternden Text, zum Teil auch mit Leseproben und/oder ergänzenden Details präsentiert, damit sich Interessierte einen guten Überblick verschaffen können.

A. Volkswirtschaftliche bzw. staatswissenschaftliche Arbeiten

  1. Werner Graf von der Schulenburg, Die Reichsautobahnen, Eisfeld/Thür. 1934 (Diss. Erlangen 1934).

  2. Ulrich Redmann, Die Reichsautobahnen in der deutschen Volkswirtschaft, Erlangen 1938 (Diss. Erlangen 1937).

  3. Erich Volk, Das Straßenwesen in Deutschland und einigen anderen europäischen Staaten unter besonderer Berücksichtigung der Reichsautobahnen, Laufenburg (Baden) 1938 (Diss. Heidelberg 1937).

Nicht alle der hier aufgeführten volkswirtschaftlichen Dissertationen entsprechen nach Umfang und Inhalt den an eine fachwissenschaftliche Qualifizierungsarbeit zu stellenden Anforderungen. Dennoch genügten sie offenbar den damals gültigen Standards der betroffenen Universitäten, um den Doktortitel zu erlangen.

B. Juristische Arbeiten

  1. Hermann Krause, Die Autobahn, Frankfurt a. M. 1933 (Diss. Frankfurt 1933)

  2. Heinz Burgemeister, Der Gütertransport mit Eisenbahn und Kraftwagen in Deutschland. Ein Beitrag zur gesetzlichen Neuregelung im Hinblick auf die Reichsautobahnen, Stuttgart 1935 (Diss. Göttingen 1934)

  3. Werner Holtmeyer, Das Recht der Reichsautobahnen unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung, Köln 1935 (Diss. Köln 1935)

  4. Hans Georg Bacmeister, Die Rechtsstellung des Unternehmens „Reichsautobahnen“, Quakenbrück 1936 (Diss. Göttingen 1935)

  5. Maximilian Bisle, Das Unternehmen „Reichsautobahnen“, Leipzig 1936 (Diss. Würzburg 1936)

  6. Wilhelm Aufderheide, Der Bau der Reichsautobahnen und seine Einwirkungen auf Eigentum und Bodennutzung, Bochum 1938 (Diss. Göttingen 1938)

  7. Gerhard Butz, Die Reichsautobahnen. Ein Beitrag zum Besonderen Teil des Verwaltungsrechts, Rostock 1938 (Diss. Rostock 1938)

Die juristischen Arbeiten beschäftigten sich mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen und rechtlichen Besonderheiten des staatlichen Autobahnwesens sowie verwaltungsjuristischen Grundsatz- und Detailfragen, denn die Gesellschaft "Reichsautobahnen" und der Autobahnbau griffen in einem bisher nicht gekannten Umfang in die tradierten Rechtsverhältnisse der Länder und der Selbstverwaltungen für das Straßenwesen ein. Hierbei werden die eroberte Unabhängigkeit des NS-Staates vom parlamentarischen System, seine das Gesamtwohl des Volkes anstrebende Rechts- und Wirtschaftsanschauung, die zentrale Idee der ‚Volksgemeinschaft’ und die ‚Segnungen des Führertums’ für die Durchsetzung des offenbar willkommenen Prinzips ‚Gemeinnutz vor Eigennutz’ an geeigneten Stellen gebührend berücksichtigt. Unabhängig von diesen Referenzen an die NS-Herrschaft bieten die wie Gutachten aufgebauten Studien praktische Erkenntnisgewinne für die Rechtsfortbildung.

Ergebnis

Die akademische Beschäftigung der angehenden Verwaltungs-Elite mit dem neuen Verkehrsweg „Reichsautobahn“ erfolgte durchweg staatskonform. Das Infrastruktur-Projekt wurde auf dem Hintergrund der negativ beurteilten Erfahrungen mit der Weimarer Demokratie als staatspolitischer Befreiungsschlag empfunden. Aus diesem Grund unterblieb eine kritische Auseinandersetzung mit Fragen der Aufbau- und Ablauforganisation, der Institution des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen als parteigebundene Reichsbehörde, der Zweckmäßigkeit eines gesonderten Straßennetzes, der zweifelhaften Bau-Finanzierung, der Arbeitslager u. ä.

Bad Homburg, im Mai/Juni 2018
Reiner Ruppmann
Wissenschaftliche Redaktion

Wissenschaftliche Arbeiten zur Autobahn- und Straßengeschichte